Motopädie:

Die Bewegung ist das Tor zum Lernen und der Weg zur Persönlichkeit
(R.Schoch)

Motopädie ist eine Therapieform, die sowohl pädagogische wie therapeutische Anteile aufweist.
Die Wortteile "Moto" - von Motorik=Bewegung und "-pädie" - von Pädagogik machen deutlich, dass diese Therapieform zum Ziel hat, die Entwicklung eines Menschen über das Medium Bewegung zu unterstützen.
Der international gebräuchliche Begriff "Psychomotorik", der oft gleichbedeutend verwendet wird, verweist auf die enge Beziehung zwischen körperlichem und seelischem Befinden.
Vor allem bei Kindern ist Bewegung die Basis des Lernens. "Vom Greifen zum Begreifen", ein Leitsatz der Montessoripädagogik, der den Zusammenhang von Bewegung, bzw. Sinneserfahrung, mit der geistigen Entwicklung betont.

Motopädie versteht sich somit als eine ganzheitliche Entwicklungsförderung. Die gesamte Persönlichkeit des Kindes, dessen Stärken und Selbstständigkeit stehen im Mittelpunkt.
Ebenso ist eine stabile und verstrauensvolle Beziehung zur Therapeutin eine Grundvoraussetzung. Nur in einer entsprechnenden Atmosphäre kann das Kind Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln und sich aus eigenem Antrieb an neue Herausforderungen wagen.

In meiner täglichen motopädischen Arbeit bedeutet dies, dass die Therapiestunden indiviuell an jedes Kind angepasst sind.
Das heißt, ob eine Einzelförderung, eine Kleinst- oder Kleingruppe sinnvoll ist, welche Kinder sich in Gruppen gut ergänzen, wie viel Struktur von mir vorgegebn wird und wie viel Freiraum die Kinder selbst gestalten, hängt davon ab, was das einzelne Kind in seiner momentanen Situation braucht.
In den einzelnen Therapiestunden gebe ich einen strukturierenden Rahmen vor, der ein Anfangsritual, eine kurze Besprechungsrunde und einen ruhigen Abschluss umfasst. Was innerhalb dieses Rahmens geschieht ist schwer planbar und entsteht aus dem, was die Kinder aktuell beschäftigt oder wonach ihnen "der Sinn steht" - denn meist wissen die Kinder intuitiv sehr gut, welche Art der Sinneserfahrung sie benötigen, um die Basis für ihre weitere Entwicklung zu stärken.

Mit dem Rollbrett den Raum erfahren, sich durch einen engen Mattenspalt zwängen, am matschigen Tonberg arbeiten, hoch auf die Sprossenwand klettern und als Feuerwehrmann das gedachte Feuer löschen, sich in der Hängematte ganz schnell im Kreise drehen lassen, sich mit anderen Kindern um Bohnensäckchen zanken, ... unzählige Möglichkeiten bieten sich den Kindern.

Die Kinder erleben diese Stunden nicht als Therapie, für sie ist es Spiel, Spass oder - auch im Sinne Maria Montessoris - Arbeit, die von den Erwachsenen auch so geschätzt werden muss.

In unserer Kindertagesstätte wird Mototherapie Kindern angeboten, deren körperliche und psychische Entwicklung durch Wahrnehmungs- und Bewegungsstörungen gefährdet ist und die Auffälligkeiten in ihrem Lern- und Sozialverhalten zeigen.